Als ich vor 15 Jahren meinen ersten Blog-Beitrag schrieb, hätte ich nie gedacht, dass ich damit in Zürich für Aufsehen sorgen würde. Damals, als Instagram noch kein Begriff und die sozialen Medien nicht omnipräsent waren, begann ich einfach, meine Gedanken und Erlebnisse als schwuler Mann in Zürich zu teilen. Der Funke dazu kam von einer der legendärsten Serien unserer Zeit: „Sex and the City“. Wenn Carrie Bradshaw über ihre chaotischen Liebesabenteuer und ihre Freundschaften philosophierte, dachte ich: „Das will ich auch – aber mit einem Zürcher Twist!“
So wurde aus einem kleinen Hobby eine Art Selbsthilfegruppe für mich und, wie sich herausstellte, auch für viele andere. Ich hatte plötzlich 125.000 Follower, die meine Geschichten und Ratschläge verschlangen, und mir ihre Fragen zum Thema Dating und Liebe schickten. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Nachrichten, die mich erreichten: „Du sprichst mir aus der Seele!“ oder „Endlich sagt mal jemand, wie es wirklich ist.“
In dieser Zeit fühlte ich mich wie der geheime Chronist der Zürcher LGBTQ+ Szene. Ich war da, aber nicht wirklich sichtbar. Vielleicht liegt das daran, dass ich nicht dem typischen Bild eines „Szenegängers“ entspreche. Während andere sich durch ihre Extrovertiertheit und flamboyanten Auftritte auszeichnen, bin ich eher der ruhige Beobachter, ein bisschen introvertiert und oft auch überdenkend. Und doch waren meine Worte da draußen, nahmen ihre eigene Gestalt an und fanden ihren Weg zu Menschen, die ähnlich fühlten wie ich.
Ich habe oft das Gefühl, dass mich nur wenige wirklich kennen, besonders in der schwulen Szene. Die meisten wissen nichts von der früheren Blogger-Identität „LondonJames“, weil ich mich nie als der typische Influencer gesehen habe. Die, die es wissen, fragen manchmal, warum ich nie mit dem Hype gegangen bin, wie andere es taten. Aber für mich war es immer mehr als das. Es ging nicht um Ruhm oder Anerkennung; es ging darum, etwas Echtes zu teilen, das mir und vielleicht auch anderen half, in dieser oft verwirrenden Welt der Liebe und des Datings klarzukommen.
Rückblickend war das Bloggen eine aufregende Reise voller Höhen und Tiefen.
Es gab Momente, in denen ich laut über meine eigenen Fehler lachen musste – und Momente, in denen ich mir dachte, warum ich mir das alles überhaupt antue. Doch am Ende des Tages bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein. Er hat mir nicht nur geholfen, mich selbst besser zu verstehen, sondern auch, eine Plattform zu schaffen, auf der Menschen sich gegenseitig unterstützen und beraten können.
Heute schreibe ich immer noch, aber auf eine andere Art und Weise. Ich teile meine Geschichten in Kolumnen und nicht mehr in Blogposts, und das aus dem einfachen Grund, dass ich mich weiterentwickelt habe. Doch der Kern bleibt derselbe: Ich möchte Geschichten erzählen, die berühren, die zum Nachdenken anregen und die zeigen, dass wir alle irgendwie miteinander verbunden sind.
Ich bin dankbar für all die Menschen, die ich auf diesem Weg kennenlernen durfte, und für jede einzelne Nachricht, die mir gezeigt hat, dass meine Worte einen Unterschied machen.
Denn am Ende des Tages geht es genau darum – darum, dass wir uns gegenseitig sehen und füreinander da sind, auch wenn wir nur Worte und Geschichten teilen.
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