Manchmal schreibt das Leben die verrücktesten Geschichten, die keiner glauben würde, wenn sie in einem Drehbuch stünden. So geschehen an einem unscheinbaren Donnerstagabend, als mich meine Freunde zu einem Blind Date überredeten. Ich, als treuer Single und immer offen für Abenteuer, ließ mich darauf ein. Ah, die Ironie des Schicksals…
Ich saß also leicht nervös in einem kleinen, gemütlichen Café und wartete auf mein Date. Und dann kam er herein. Hochgewachsen, charmantes Lächeln – und etwas an ihm kam mir erschreckend bekannt vor. Ich konnte es zuerst nicht einordnen, bis er sich vorstellte: Tyler.
Oh. Mein. Gott. Es war der Tyler, der mir damals das erste Date zur Hölle gemacht hatte. Der Tyler, der stundenlang über seinen Ex geschimpft und gelästert hat und dann mitten im Restaurant stehen gelassen hatte, weil „etwas Wichtigeres“ dazwischenkam.
Doch er erkannte mich nicht. Nein, kein Anzeichen von Wiedererkennung. Und so lief das Date erstaunlich gut. Wir redeten über alles Mögliche – von Musik bis zu unseren Lieblingsreisezielen. Die Zeit verging wie im Flug und ich konnte nicht leugnen, dass ich Spaß hatte. Ja, Tyler hatte sich anscheinend verändert.
Dann kam der Moment der Wahrheit: „Wo wohnst du eigentlich?“ fragte er neugierig. Ich antwortete lächelnd: „In der kleinen Straße neben dem Park, gleich um die Ecke von dem Café, in dem wir damals unser erstes Date hatten.“
Ein kurzer Augenblick der Verwirrung ergriff sein Gesicht, gefolgt von einer Erkenntnis, die ihm ins Gesicht geschrieben stand. Er wurde blass, seine Augen weiteten sich und ich konnte sehen, wie ihm langsam dämmert, wen er da vor sich hatte.
„Bist du nicht…“ begann er, doch ich unterbrach ihn lachend: „Ja, ich bin’s. Diejenige, die du damals so schroff abserviert hast.“ Peinliche Stille breitete sich aus. Er stotterte eine Entschuldigung hervor, seine Hände zitterten leicht. „Es tut mir so leid. Ich war ein Idiot.“
Nun, da hatte er nicht ganz Unrecht. Aber ich bin nicht nachtragend. „Schon gut, Tyler. Ist lange her und Menschen ändern sich,“ sagte ich freundlich. Und tatsächlich, das Date ging noch weiter, aber ich konnte spüren, dass seine Gelassenheit dahin war. Er war bemüht, aber auch peinlich berührt, fast schon panisch.
Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich glaube nicht, dass er sich traut, mir nochmals unter die Augen zu treten. Zu groß war wohl die Scham, zu tief die Erinnerungen an sein eigenes Fehlverhalten.
Und ich? Ich habe eine tolle Anekdote für meine Kolumne und ein weiteres denkwürdiges Kapitel in meinem Buch des Lebens.
Wer weiß, vielleicht ist das nächste Blind Date weniger dramatisch – oder zumindest ohne bekannte Gesichter!
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