Blind Date mit einem Geist

Es gibt Ereignisse im Leben, die so ironisch sind, dass man sie einfach nicht erfinden könnte. Nehmen wir mein letztes Blind Date vor einem Monat, als Beispiel. Die Dating-App warf ein „92% Übereinstimmung“-Bingo aus, und ich dachte, warum nicht? Schlimmer als meine vorherigen Katastrophen-Dates kann es kaum werden, oder ?

Der Abend begann wie jeder andere. Ich traf mich mit Tom* in einem schicken Bistro, wie immer etwas nervös, aber entspannt. Er war charmant, sah gut aus, trägt einen gepflegten Bart und seine Art zu reden hatte etwas Beruhigendes. Ich dachte mir noch, ‚Wow, die App hat vielleicht dieses Mal ins Schwarze getroffen!

Wir plauderten über Filme, Lieblingsessen, und unsere schlimmsten Urlaubsdesaster. Es war alles so normal und angenehm, dass ich fast vergaß, auf meine üblichen Date-Alarmsignale zu achten.

Als er jedoch eine alte Schulerinnerung erwähnte, klickte es plötzlich. Er sprach von seiner wilden Zeit auf der Berufsschule – genau der Schule, die auch ich besucht hatte. Ich frage ihn nach seinem vollständigen Namen. Ja, tatsächlich, er war der beste Freund von Tim, meinem persönlichen Schulhof-Schrecken. Tom, der einstige Handlanger, der neben Tim stand, während dieser mich, den Jungen, vor der gesamten Klasse wegen meiner Homosexualität geärgert und mir das Leben schwer gemacht hatte. Es war wie eine dieser TV-Show Enthüllungen, wo der Protagonist erfährt, dass sein neuer Chef eigentlich sein Erzfeind aus Kindertagen ist.

Doch hier war etwas anders. Tom, der einstige grobe Homohasser, hatte sich verändert. Er war ein Gentleman, witzig und überaus rücksichtsvoll. Er erkannte mich nicht, und ich beschloss, das Thema vorerst nicht anzuschneiden.

Warum die Vergangenheit aufwärmen, wenn die Gegenwart so angenehm war?

Das Date endete besser als erwartet. Wir standen vor der Tür, verabschiedeten uns, und dann, im letzten Moment, konnte ich nicht anders. Ich musste es wissen. „Erinnerst du dich an Tim aus der Schule? Ich war damals der Junge, dem ihr beiden immer die Schulbücher geklaut habt und den ihr wegen seiner Homosexualität gedisst habt.“

Die Überraschung in seinen Augen war unbezahlbar. Für einen Moment war es still. Dann, mit einer Ehrlichkeit, die ich nur bewundern konnte, entschuldigte er sich. Er hatte keine Ahnung, dass ich dieser Junge war, und er gestand, dass er seit Jahren versucht hatte, sein altes Ich hinter sich zu lassen.

Ich lächelte, sagte ihm, dass ich ihm längst vergeben hatte, und wir teilten einen letzten, etwas unbeholfenen, aber herzlichen Abschied.

Auf dem Heimweg musste ich lachen. Wer hätte gedacht, dass ein Blind Date mit einem alten Feind sich in eine Chance verwandeln könnte, alte Wunden zu heilen ?

So oder so, es war ein Date, das ich nicht so schnell vergessen werde. Das Leben ist wirklich der beste Drehbuchautor.

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