Die Kunst, unbemerkt erfolgreich zu sein

Es gibt einen interessanten Moment, wenn man plötzlich in einem Raum voller Menschen steht und merkt, dass sie keine Ahnung haben, wer man ist – trotz all der Jahre, in denen man hart gearbeitet, Geschichten erzählt und Spuren hinterlassen hat.

Vor kurzem erlebte ich genau diesen Moment bei einer Modeveranstaltung, als eine Lifestyle-Bloggerin mich als „LondonJames Zurich“ vorstellte und betonte, dass ich vor 15 Jahren einer der ersten Blogger in Zürich war.

Die erstaunten Blicke der Anwesenden, die fragten, warum sie noch nie von mir gehört hatten, obwohl ich als TV-Moderator, Kolumnist und Model tätig war, blieben mir besonders in Erinnerung.

Es war ein eigenartiger Augenblick – eine Mischung aus Stolz und Unbehagen. Stolz, weil meine Reise keine gewöhnliche war und ich viele Höhen erklommen habe, die mir niemand geschenkt hat. Doch gleichzeitig war da dieses Gefühl von Unsichtbarkeit.

Wie kann es sein, dass ich all das erreicht habe, aber so wenige wissen, wer ich bin? Vielleicht liegt es daran, dass ich nie das Klischee eines schwulen Mannes verkörpert habe, das viele erwarten. In der Gay-Szene kennen mich nur wenige, und das oft nur, weil ich lieber im Hintergrund agiere, als im Rampenlicht zu stehen. Introvertiert, zurückhaltend, und doch stets da – auf Events, in der Unterstützung anderer Künstler und als Teil der Community, ohne lautstark die eigenen Erfolge zu feiern.

Ich denke oft darüber nach, wie sehr wir uns über Außenwahrnehmung definieren – und wie schwer es uns fällt, Komplimente anzunehmen. Vielleicht hat das etwas mit unserer inneren Überzeugung zu tun, dass Erfolg nur zählt, wenn er von anderen bestätigt wird. Doch wenn man lange genug im Scheinwerferlicht gelebt hat, merkt man, dass dieser Glanz vergänglich ist.

Früher, bevor Instagram und der ganze Hype um Follower begann, hatte ich einen Blog mit 125.000 Followern. Es war die Zeit, als man Menschen nicht „kaufen“ konnte, sondern wirklich durch authentische Geschichten berührte. Ich wurde von „Sex and the City“ inspiriert und begann, über meine Dating-Erfahrungen für die schwule Gemeinde zu schreiben.

Es war mehr als nur Unterhaltung – es war ein Dialog, eine Brücke zwischen meiner Welt und den vielen, die Rat suchten und sich in meinen Worten wiederfanden.

Damals war Bloggen kein Geschäft, sondern eine Leidenschaft. Ich habe es geliebt, Menschen zu helfen, durch meine Erfahrungen Antworten auf ihre Fragen zu finden.

Es war eine Zeit, in der der persönliche Austausch noch eine tiefere Bedeutung hatte. Doch heute, wo die Welt lauter und schneller geworden ist, frage ich mich oft, wo dieser Raum geblieben ist, der nicht durch Zahlen und Sichtbarkeit bestimmt wird. Vielleicht liegt die Herausforderung nicht darin, von anderen wahrgenommen zu werden, sondern darin, sich selbst zu erkennen und zu schätzen, ohne dass es eines Applauses bedarf.

Es ist okay, wenn nicht jeder meinen Namen kennt. Was zählt, ist das, was ich in den Momenten gemacht habe, in denen niemand zusah.

Die echten Verbindungen, die ich knüpfen konnte, und die Menschen, denen ich geholfen habe – das sind die unsichtbaren Erfolge, die keine Bühne brauchen.

Vielleicht besteht wahre Anerkennung nicht darin, wie laut der Beifall ist, sondern wie leise die Zufriedenheit in uns nachklingt, wenn wir wissen, dass wir echt geblieben sind.

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