Es ist eine moderne Liebesgeschichte: Man lernt sich online kennen, beginnt zu schreiben, und schon bald verspürt man diese kleine, aber feine Verbindung. Die Nachrichten werden persönlicher, man schickt sich morgens ein „Guten Morgen“, tauscht Musik aus, um den Tag des anderen ein wenig zu versüßen – alles scheint perfekt zu laufen. Und dann? Funkstille. Plötzlich herrscht Schweigen in der Chatbox. Kein „Guten Morgen“ mehr, keine Songs, die dir deinen grauen Arbeitstag erhellen. Was ist passiert?
Bevor jetzt die Alarmglocken schrillen: Nein, das ist noch kein Ghosting! Aber es ist definitiv eine Situation, die uns alle schon mal aus der Bahn geworfen hat. „Warum meldet er sich nicht? War die letzte Nachricht zu forsch? Hat der von mir empfohlene Song etwa nicht gefallen?“ Wir fangen an zu analysieren, zu grübeln und (wenn wir ganz ehrlich sind) uns ein wenig verrückt zu machen.
Aber lasst uns kurz innehalten: In der heutigen, immer hektischer werdenden Welt, in der wir alle versuchen, den Spagat zwischen Job, Hobbies, Freunden, und „me time“ hinzubekommen, ist es nur menschlich, wenn man sich ab und an mal zurückzieht. Klar, wir alle lieben das Gefühl, wenn unser Handy aufleuchtet und da ist eine süße Nachricht von „ihm“ oder „ihr“. Aber es gibt Tage, da möchte man einfach mal nicht auf den Bildschirm starren – und das ist auch vollkommen in Ordnung.
Der Trick liegt darin, die Balance zu finden. Es geht nicht darum, jeden Tag stundenlange Chats zu führen oder gar eine Pflicht daraus zu machen. Doch ein kleines Zeichen der Kommunikation ist wichtig. Ein einfaches „Hey, mir geht’s heute nicht so gut, ich brauche etwas Zeit für mich“ oder „Bin heute ziemlich gestresst, melde mich später“ reicht oft schon aus, um Missverständnisse zu vermeiden. Das zeigt Respekt und lässt den anderen wissen: Ich ziehe mich zurück, aber nicht wegen dir, sondern weil ich gerade meine eigene Ruhe brauche. Und glaub mir, der andere wird das in 99,9 % der Fälle voll und ganz verstehen.
Denn, Hand aufs Herz: Wir alle brauchen mal eine Pause. Nur, diese Pause klar zu kommunizieren, das vergessen wir oft. Und so entstehen schnell Missverständnisse. Der andere fühlt sich ignoriert, vielleicht sogar abgelehnt, und schon steht man mitten im Chaos der Unsicherheiten.
Mein Tipp an euch: Gebt euch Raum, aber kommuniziert. Ein „Sorry, ich brauche gerade ein bisschen me time“ ist nicht nur höflich, sondern auch befreiend. Es nimmt den Druck raus, immer „on“ sein zu müssen und gibt beiden die Möglichkeit, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ihr werdet überrascht sein, wie viel entspannter sich die Verbindung anfühlt, wenn ihr ehrlich darüber sprecht, wann ihr mal Zeit für euch selbst braucht.
Und falls sich der andere tatsächlich längere Zeit nicht mehr meldet, ohne ein einziges Wort des Rückzugs – na ja, dann könnt ihr vielleicht doch ein bisschen „Ghosting“-Verdacht hegen.
Aber das ist eine andere Geschichte…
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