Wicked – Ein Musical, das uns alle zum Fliegen bringt

Als ich gestern mit meiner besten Freundin Diane, die Schweizer Premiere von Wicked sah, hatte ich natürlich hohe Erwartungen. Ich war bereit für großartige Musik, fantastische Kostüme und ein Wiedersehen mit der Geschichte, die Millionen berührt hat. Doch was mich wirklich überwältigt hat, war, wie sehr mich dieser Film erneut an meine eigene Lebensreise erinnerte – an die Kämpfe, die Höhen und Tiefen, und an das Lied, das für mich zur Hymne meiner Selbstfindung wurde: Defying Gravity.

Eine Hymne der Selbstbefreiung

Vor über 22 Jahren hörte ich Defying Gravity zum ersten Mal – damals ein junger Mann, der gerade die ersten Schritte in Richtung Selbstakzeptanz wagte. Das Lied sprach eine Wahrheit aus, die ich erst begreifen musste: dass es keine größere Freiheit gibt, als sich selbst treu zu sein, ungeachtet dessen, was andere denken. Als ich mich damals outete, war ich voller Zweifel und Ängste. Doch die Worte „Frei und schwerelos“ gaben mir Kraft. Sie inspirierten mich, mein Leben authentisch zu leben und mich von den Erwartungen und Vorurteilen anderer zu lösen.

Die Parallelen zu Elphaba

In Elphabas Reise habe ich mich immer wieder gespiegelt gefühlt. Ihre Ankunft an der Shiz University erinnerte mich an meine eigenen Erfahrungen – ein Außenseiter zu sein, der irgendwie nicht ins Bild passt. Als asiatischer Mann und Teil der LGBTQ+-Community in einer neuen Umgebung fühlte ich mich oft fehl am Platz, genauso wie Elphaba, deren grüne Haut sie zur Zielscheibe macht. Doch Wicked zeigt uns, dass Anderssein eine Stärke ist – wenn man die Kraft findet, es anzunehmen.

Die Szene, in der Elphaba endlich beschließt, ihre Flügel auszubreiten, ungeachtet dessen, was andere von ihr halten, war im Kino genauso bewegend wie damals auf der Musicalbühne. Ihre Worte „I’m through with playing by the rules“ sind ein Weckruf für jeden, der jemals gezweifelt hat, ob er gut genug ist.

Liebe, Freundschaft und Verrat

Die Dynamik zwischen Elphaba und Glinda erinnerte mich auch an Freundschaften in meinem Leben – einige, die aufrichtig und unterstützend waren, und andere, die mich enttäuschten. Die Szene (Spoiler Alert) in der Glinda Elphaba den hässlichen Hut schenkt, brachte Erinnerungen an Momente zurück, in denen Menschen meine Gutmütigkeit ausgenutzt haben. Doch wie Elphaba habe ich gelernt, dass wahre Freundschaft nichts mit Perfektion zu tun hat, sondern mit Akzeptanz.

Was dieser Film lehrt

Wicked ist mehr als ein Musical über Hexen. Es ist eine Geschichte darüber, dass niemand von uns wirklich “böse” ist, sondern dass die Welt oft nicht bereit ist, das zu verstehen, was sie nicht kennt. Der Film zeigt, dass man seinen Weg finden kann – trotz Widerständen und Vorurteilen. Genau das ist die Botschaft, die mich vor 22 Jahren dazu inspirierte, meinem Herzen zu folgen, und die auch heute noch Menschen auf der ganzen Welt ermutigt.

Ein Cast, der Hoffnung schenkt

Besonders beeindruckend finde ich, dass der Cast von Wicked so vielfältig ist und die LGBTQIA+ Community repräsentiert. Schauspieler*innen wie Cynthia Erivo (Elphaba), Jonathan Bailey (Fiyero), Bowen Yang (Pfannee), Marissa Bode (Nessarose) und Bronwyn James (ShenShen) sind starke Beispiele dafür, wie wichtig Sichtbarkeit ist. Es gibt mir das Gefühl, dass wir als Queers immer mehr wahrgenommen werden, dass wir nicht allein sind und dass jeder von uns seinen Platz in dieser Welt hat.

Elphaba und Glinda

Die Besetzung von Ariana Grande und Cynthia Erivo ist einfach perfekt. Ariana beeindruckt nicht nur mit ihrer großartigen Stimme, sondern auch durch ihr schauspielerisches Talent, das wie für die Rolle gemacht ist. Ihre Leidenschaft für die Rolle der Glinda ist spürbar, und sie erfüllt diesen Kindheitstraum mit Bravour. Ebenso brilliert Cynthia Erivo mit ihrer starken Stimme und charismatischen Ausstrahlung und verleiht der Figur der Elphaba eine beeindruckende Tiefe. Die Chemie zwischen Ariana und Cynthia ist unverkennbar, sowohl auf der Leinwand als auch abseits. Ihre echte Freundschaft und gegenseitige Unterstützung verleihen ihren Charakteren eine besondere Authentizität und machen den Film zu einem mitreißenden Erlebnis.

Mein Fazit

Wicked ist eine emotionale Reise, die mich tief berührt hat. Es ist eine Geschichte, die mich daran erinnert hat, wie weit ich gekommen bin – und dass ich noch immer frei und schwerelos sein kann, wenn ich die Flügel ausbreite.

Für jeden, der schon einmal an sich selbst gezweifelt hat, ist dieser Film eine Einladung, die eigene Schwerkraft zu überwinden.

Hinterlasse einen Kommentar