Heute habe ich etwas erlebt, das mich zutiefst erschüttert hat. Auf dem Heimweg war ich im Niederdorf, Zürich unterwegs und entschied mich spontan, nicht sofort die Straßenbahn zu nehmen. Stattdessen hielt ich kurz inne, um eine Zigarette zu rauchen – eine kleine Pause, bevor ich nach Hause wollte. Doch diese Pause sollte alles verändern.
Plötzlich raste ein weißes Auto heran. Am Steuer saß eine ältere Frau, die viel zu schnell unterwegs war. Sie überholte ein anderes Auto, verlor die Kontrolle, geriet auf den Gehweg und übersah dabei eine ältere Dame, die gerade aus einer Tür trat. Die Frau wurde erfasst, und das Auto krachte anschließend frontal in ein Geschäft.
Ich stand nur wenige Meter entfernt und konnte alles mit ansehen. Mein erster Gedanke war: Das hätte ich sein können. Wäre ich in diesem Moment über die Straße gegangen, hätte ich vielleicht an ihrer Stelle gestanden. Dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los.
Kurze Zeit später trafen Polizei und Rettungskräfte ein, doch die Bilder gehen mir nicht aus dem Kopf. Ich trauere um diese Rentnerin, die einen solchen Abschied vom Leben nicht verdient hat. Ich hoffe, dass sie ein gutes und erfülltes Leben hatte und von denen, die sie kannten, in liebevoller Erinnerung behalten wird.
Ich war so tief geschockt, dass ich mich kaum bewegen konnte, geschweige denn der Polizei vor Ort einen Rapport geben konnte. Als ich endlich zu Hause ankam, musste ich mich erst einmal hinlegen und versuchen, mich zu beruhigen. Die Bilder des Unfalls ließen mich jedoch nicht los.
Am selben Abend rief ich die Polizei an, um eine Zeugenaussage zu machen. Der freundliche Polizist nahm sich Zeit, hörte mir aufmerksam zu und fragte auch nach meinem Befinden. Ich versicherte ihm, dass es mir gut ging, auch wenn die Situation nachwirkte.
Ein Glück durfte ich am nächsten Tag arbeiten – die Ablenkung half mir, den Kopf ein wenig frei zu bekommen. Nach dem Telefonat mit der Polizei fiel mir eine Last von den Schultern. Ich zündete eine Kerze an, sprach ein kurzes Gebet für die Dame und ihre Familie und hoffte, dass es ihr gut geht, wo auch immer sie nun sein mag.
Drei Tage später war ich wieder an derselben Stelle. Ich war überrascht, dass dort keine Kerze, keine Blumen zu sehen waren – keine Spur, wie man sie sonst an solchen Orten kennt. Es wirkte, als wäre nichts geschehen, doch für mich ist es, als würde die Zeit dort stillstehen. Ich erinnere mich an jedes Detail dieses schrecklichen Tages, und dieser Ort wird für mich immer eine besondere Bedeutung haben.
Ich weiß, dass ich an diesem Tag einen Schutzengel hatte. Und dafür bin ich unendlich dankbar.
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