Die kleine Meerjungfrau – A fluid fairy Fantasy

Manchmal braucht es Überwindung, um sich aus der Komfortzone zu wagen. So war es auch bei mir, als ich mich dazu entschloss, zum ersten Mal alleine ins Theater zu gehen. Zugegeben, der Gedanke, ohne Begleitung in einer Reihe zu sitzen, fühlte sich anfangs etwas ungewohnt an. Doch die heutige Premiere hat mir gezeigt: Es lohnt sich, diesen Schritt zu machen.

Das Stück, Die kleine Meerjungfrau – A fluid fairy Fantasy – das ich erleben durfte, war nicht nur eine meisterhafte Inszenierung, sondern auch ein emotionaler Spiegel für viele von uns. Der Stage Director, Bastian Kraft, hat eine Welt erschaffen, die mit jedem Detail berührte – von der beeindruckenden Bühnenkulisse bis hin zur durchdachten Atmosphäre, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Jede Szene wirkte lebendig, als ob sie direkt aus dem Herzen der Darstellenden entsprungen wäre.

Die Besetzung des Stücks war dabei genauso stark wie die Inszenierung selbst. Es ist lange her, dass ich ein Ensemble gesehen habe, das so authentisch und stimmig auf der Bühne agiert. Jede*r Einzelne strahlte eine Präsenz aus, die spürbar machte, wie sehr sie für ihre Rollen brennen.

Ein besonderer Moment war für mich, als ich einige bekannte Gesichter im Publikum entdeckt habe, darunter Kaye, eine alte Kollegin, die ich schon ewig kenne. In diesem Moment fühlte ich mich plötzlich nicht mehr „alleine“ – und diese Verbundenheit trug dazu bei, dass der Abend zu etwas ganz Besonderem wurde.

Besonders bewegt hat mich die Performance von Drag Queen Paprika. Ihre Coming-out-Geschichte war nicht nur ein persönlicher Einblick, sondern auch eine Erinnerung an mein eigenes Coming-out. Während sie sprach, fühlte ich mich zurückversetzt in diese Zeit – eine Mischung aus Unsicherheit, Mut und schließlich dem Gefühl, endlich frei zu sein. Es ist nicht selbstverständlich, sich so offen und ehrlich auf der Bühne zu zeigen, und genau das macht Paprika so besonders.

Auch Klamydia von Karma hat mich tief beeindruckt. Ihre Geschichte, wie sie zur Drag-Kunst kam, war inspirierend, aber auch nachdenklich stimmend. Sie sprach über die Herausforderungen innerhalb der Community, wie schnell Menschen verurteilt werden, wenn sie ihre „Maske“ ablegen und ihre wahre Verletzlichkeit zeigen. Besonders mutig fand ich, dass sie das Thema angesprochen hat, dass in der LGBTQ+-Community oft das Bild von ständiger Fröhlichkeit vermittelt wird, während kaum jemand offen über Momente von Traurigkeit oder Frustration spricht. Diese Ehrlichkeit hat mich tief berührt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, solche Themen sichtbar zu machen.

Ein weiteres Highlight war die Erwähnung von Barbie Breakout und ihrem Protest gegen Homophobie. Es war ein starkes Statement, das mir noch einmal bewusst gemacht hat, wie wichtig es ist, für Akzeptanz und Gleichberechtigung einzustehen – nicht nur auf der Bühne, sondern in jedem Aspekt unseres Lebens.

Für mich war dieser Abend nicht nur eine Theaterpremiere, sondern auch eine persönliche Premiere. Es war ein Moment des Mutes, der Reflexion und vor allem der Verbundenheit. Und wenn ich eines mitgenommen habe, dann die Gewissheit, dass man manchmal alleine losgehen muss, um am Ende zu merken, dass man doch nicht so alleine ist.

Danke an Bastian, Ensemble und das gesamte Team für diesen unvergesslichen Abend. Ihr habt etwas geschaffen, das nicht nur unterhält, sondern auch bewegt – und dafür bin ich euch unendlich dankbar.

X Glenn

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