Zürich, 21:00 Uhr. Eine Bar, in der das Licht so schmeichelhaft ist, dass selbst die schlechtesten Tinder-Dates hier wie verpasste Gelegenheiten aussehen. Ich stehe an der Theke, mein Gin Tonic in der Hand, als ich ihn sehe – den Mann, mit dem ich vor ein paar Jahren gedatet habe.
Es war keine große Liebe, eher eine dieser Begegnungen, die sich irgendwo zwischen „nett“ und „vielleicht wird da mehr draus“ bewegte. Wurde es aber nicht. Was okay ist. Aber was nicht okay ist? Dass er mich jetzt ansieht, als wäre ich ein Fremder, während sich in seinem Gesicht für den Bruchteil einer Sekunde diese winzige, verräterische Regung zeigt. Er weiß genau, wer ich bin.
Ich lächle – rein aus Höflichkeit – und sage:
„Hey! Lange nicht gesehen.“
Er mustert mich kurz, setzt dann diese perfekt einstudierte Denkermiene auf und sagt:
„Oh… kennen wir uns?“
Wirklich jetzt?
„Glenn“, sage ich, „wir hatten mal ein Date.“
Er hebt überrascht die Augenbrauen – einen Tick zu gespielt – und schüttelt dann grinsend den Kopf.
„Oh wow, sorry, das ist mir echt entfallen.“
Klar. Und Zürcher Pünktlichkeit ist ein Mythos.
Ich überlege kurz, ob ich ihn aus der Situation entlasse oder ihn ein bisschen schmoren lasse. Aber dann tut er das für mich: Er verplappert sich.
„Glenn? Achso… Glenn Hug?“ Er lacht nervös. „Ähm, nein, also… echt, das hab ich nicht mehr auf dem Schirm.“
Ich nehme einen Schluck von meinem Drink und sehe ihn an. „Aber du kanntest eben meinen Nachnamen?“
Pause.
Er errötet leicht – caught in the act.
Und genau in diesem Moment wird mir klar: Manche Männer vergessen ihre Dates nicht. Sie vergessen nur gern die Menschen, die ihnen mal gezeigt haben, dass sie eigentlich nicht so besonders sind.
Ich drehe mich um, lächle über meinen Drink und denke: Das wahre Highlight des Abends bin nicht ich. Sondern seine schlechte Lüge.
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