Ich schwimme in Arbeit. So sehr, dass meine Gedanken manchmal selbst nach Feierabend noch im Kreis tanzen und mir den Schlaf rauben.
Aber trotzdem wache ich jeden Morgen mit einem Lächeln auf. Nicht, weil die Arbeit weniger geworden ist, sondern weil mein Tag mit einer Stimme beginnt, die mich sanft aus dem Halbschlaf holt. Eine warme, vertraute Stimme, die mir eine süße Nachricht hinterlässt – mal ein Witz, mal ein aufmunterndes Wort, mal einfach nur ein Guten Morgen, schön dich zu hören. Und genau das ist es, was mich durch den Tag trägt.
Denn ich habe jemanden kennengelernt.
Es war keine geplante Begegnung, kein bewusstes Suchen, sondern eines dieser Momente, in denen das Leben einfach macht, ohne zu fragen. Vor einem Monat saßen wir uns das erste Mal gegenüber – ein Drink, lockere Gespräche, Lachen über Alltägliches. Ich fühlte mich wohl, aber rechnete mit nichts. Und dann? Dann küsste er mich. Einfach so. Ohne große Vorwarnung, mitten in der Kweer Bar.
Mein erster Reflex? Oh Gott, so viele Leute! Nicht, dass ich mich schämen würde – nein. Aber es war einer dieser Momente, in denen der Kopf schneller ist als das Herz. Also sagte ich: „Lass uns kurz rausgehen.“ Frische Luft, ein bisschen Ruhe – und dann zog ich ihn zu mir. Diesmal war es mein Kuss. Einer, der nicht aus Überraschung geschah, sondern aus Absicht. Und er fühlte sich genau richtig an.
Seitdem sind wir in dieser schönen Schwebe zwischen Kennenlernen und Nähe. Dieses Unkomplizierte, diese Leichtigkeit, die entsteht, wenn zwei Menschen sich einfach gut tun. Wir teilen Werte, legen beide großen Wert auf offene Kommunikation und haben diesen empathischen Blick auf die Welt – vielleicht, weil wir beide in sozialen Berufen arbeiten. Er versteht mich, ich verstehe ihn. Und obwohl wir so verschieden sind, haben wir uns irgendwie gefunden.
Nach meinem Geburtstag haben wir sogar schon den ersten gemeinsamen Urlaub geplant. Verrückt, oder? Noch vor einem Monat kannte ich ihn nicht, und jetzt zählen wir die Tage, bis wir gemeinsam am Meer sitzen.
Und ja, wir haben einen Altersunterschied. Zehn Jahre. Früher hätte mich das vielleicht mehr beschäftigt. Mit Anfang 20 wirkte eine Altersdifferenz von einem Jahrzehnt wie eine ganze Epoche. Heute? Heute fühlt es sich nicht mehr so an. Meine Eltern sind elf Jahre auseinander, und wenn ich meinen Vater anschaue – mit seinen 74 Jahren, die eher nach 52 aussehen – dann weiß ich: Alter ist nur eine Zahl.
Es zählt, wie man sich gibt, wie man sich fühlt. Und vor allem, was man aus dem Leben macht.
Und gerade jetzt fühlt sich das Leben ziemlich großartig an und ich geniesse jeden Moment.
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