Es gibt Orte, die sind mehr Laufsteg als Verkehrsknotenpunkt. Für mich ist der Zürcher Hauptbahnhof genau so ein Catwalk – nur dass die Models nicht gebucht sind, sondern auf ihre Züge warten. Und während ich auf meine Verbindung nach Olten starre, beginne ich zu beobachten, wie unterschiedlich Menschen eigentlich gehen.
Da sind die Synchronisierten: Sie haben exakt denselben Takt, fast so, als wären sie Teil einer unsichtbaren Tanzchoreografie. Dann die Catwalk-Künstler: kein Blitzlicht, keine Vogue-Redakteurin am Rand, aber der Hüftschwung sitzt. Andere wiederum lassen sich von ihrem Smartphone leiten, bis sie – Bäm – in eine Tür krachen.
Besonders amüsant sind die Stehenbleiber. Sie bleiben abrupt mitten im Strom stehen, wie ein Stauverursacher auf der Autobahn – und zwingen andere fast zur Akrobatik. Ganz anders die Slowmotion-Wanderer, die mit glasigem Blick irgendwo in den Wolken hängen und alle anderen in den Wahnsinn treiben. Und nicht zu vergessen: die Stampfer, die den Boden so hart bearbeiten, als wären sie auf einer Alpenwanderung, statt auf Perron 8.
Vielleicht verrät unser Gang mehr über uns, als wir denken. Sind wir Catwalk-Träumer, Slowmotion-Denker oder Alltags-Stamper? Und was sagt es über mich, dass ich hier sitze und die Züge verpasse, nur weil ich die Laufstege des Lebens analysiere?
Egal ob Catwalk, Stampfen oder Slowmotion – am Ende gehen wir doch alle in dieselbe Richtung: unserem nächsten Ziel entgegen.
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