Ein Paket namens Karma

Es gibt Begegnungen, die das Leben einem einfach schenkt – nur, um zu testen, ob man Karma wirklich verstanden hat.

Ich wollte neulich eigentlich nur zur Post, ein Paket abschicken, nichts Weltbewegendes. Und dann stand plötzlich ein bekanntes Gesicht direkt vor mir in der Schlange.

Er dreht sich um, mustert mich von oben bis unten und sagt mit diesem selbstgefälligen Lächeln:

„Uh, hübsches Kerlchen.“

Ich nur so: „Ähm… hallo. Glenn hier.“

Und du hättest sehen müssen, wie ihm in dem Moment die Gesichtszüge entgleiten.

„Oh shit…“, meinte er. „Ich dachte, du seist ausgewandert!“

Ich: „Nee, bin immer noch in Zürich. Und du… offenbar auch.“

Erst da erinnerte ich mich wieder: Das war der Typ von damals. Der Ex.

Wir haben uns auf einer Party kennengelernt, zu einem Blind Date – er, charmant, gut gestylt, die Hüften im Takt, ein bisschen zu sehr überzeugt von sich selbst.

Er kam damals auf mich zu, legte diese Hand auf meine Schulter, tanzte näher und meinte: „Hübscher Kerl.“

Ein Drink, ein Lachen, ein Kuss – oder zwei, oder drei (wer zählt das schon, wenn der Beat stimmt?). Und dann – mitten im romantischen Halbdunkel – kam dieser legendäre Satz:

„Du bist ein großartiger Küsser… aber leider Asiate. Ich steh halt nicht auf Asiaten.“

Ich erinnere mich, wie ich da stand, zwischen Verwirrung, Wut und dem Drang, ihm mein Gin Tonic über den Kopf zu schütten. Ich dachte nur: What. The. Fuck.

Wie bitte küsst man sich durch halb die Nacht mit jemandem, um am Ende zu erfahren, dass man offenbar die falsche Ethnie hat? Also ja, Haken dran. Rassistischer Idiot, dachte ich – und weg war ich.

Schnitt.

20 Jahre später.

Zürich, Postfiliale. Ich in meiner besten „Ich-hol-nur-ein-Päckli“-Laune. Und er? Steht da, flirtet, erkennt mich nicht. Und als ich meinen Namen sage, kommt’s aus ihm raus wie aus der Kanone:

„Oh shit. Glenn! Du hast dich total verändert!“ Ich: „Ja, das nennt man Alter, Stil und Charakterentwicklung.“

Dann fing er an, sich zu entschuldigen, wegen damals. Und wie toll ich ja heute aussehe. Ich meine – danke, klar. Aber zwischen uns: Es wurde ein bisschen too much. Und dann – ich schwöre – entdecke ich, wer neben ihm steht.

Sein Mann. Asiate. Drei Köpfe kleiner, komplett in Prada (naja, Fake-Prada, made in Turkey, aber wir sind ja nicht gemein) 🤭

Der Freund schaut schon leicht genervt, während der Ex weiter schwärmt: „Ich weiß, du bist auch Asiate, aber Glenn ist special.“

Da flog plötzlich ein Feuerwerk aus thailändischen Fluchwörtern durch die Posthalle – klang wie ein tropisches Gewitter mit Untertiteln. Ich musste innerlich so lachen.

Ich hab nur mein Päckli genommen, mich freundlich verabschiedet und gesagt: „Alles gut. Wir waren jung, naiv und dumm. Jeder macht seine Erfahrungen.“

Dann bin ich gegangen – mit erhobenem Haupt, einem Schmunzeln im Gesicht und der stillen Erkenntnis: Manche Dinge verschickt das Universum einfach mit Nachporto.

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