Neulich im Glattzentrum, irgendwo zwischen edlen Gläsern, Pfannen in allen Größen und einem Regal voller Duftkerzen, ereilte mich eine Situation, die so sehr Sex and the City war, dass ich fast nach einem unsichtbaren Kamerateam suchte.
Ich schlenderte also durch die Haushaltsabteilung im Globus – innerlich überlegte ich, ob ich wirklich eine weitere Vase brauche oder ob ich einfach nur der Typ bin, der Vasen kauft, weil man sich damit erwachsen fühlt – als plötzlich ein „Heeeeey! Wie geht’s dir?“ von rechts einschlug.
Ich drehte mich um… und mein Gehirn lieferte:
Ein Gesicht – ja. Ein Name – nein.
Ein Sommerflirt aus 2023.
Damals intensiv, aufregend, voller Sommerwein und schlechter Entscheidungen.
Heute… ein Mann, dessen Namen ich nicht einmal mehr erraten konnte, wenn mein Leben davon abhinge.
Und trotzdem lächelte ich – freundlich, warm, ein bisschen zu übertrieben.
Dieser Look, der sagt: Natürlich weiss ich, wer du bist.
Während mein innerer Monolog schrie: „HILFE, WIE HEISST DU?! DANIEL? DARIO? D… DHL-Paket?“
Er redete munter los, als wären wir alte Freunde.
Ich nickte professionell.
Ich lächelte strategisch.
Ich setzte gelegentliche „Oh ja, stimmt!“-Phrasen ein, die in jeder Konversation funktionieren, egal worum es geht.
Währenddessen dachte ich:
Warum merken sich manche Menschen jede Begegnung – und ich nicht mal die, die mir mal die Zunge in den Hals gesteckt haben?
Das Universum ist grausam.
Dann kam der Moment, in dem er offensichtlich darauf wartete, dass ich seinen Namen laut sage. Ich merkte, wie die Spannung stieg. Wie er innerlich hoffte, ich würde ihn mit einem lässigen „Ach übrigens, was macht dein Job bei…?“beeindrucken.
Stattdessen entschied ich mich für Plan B.
Den Rettungsanker aller vergessenen Namen.
Den Klassiker der Verzweifelten:
Ich tat so, als hätte mein Handy vibriert.
Blick nach unten.
Verwirrtes Stirnrunzeln.
„Oh, ich muss kurz… äh… eine Sache checken.“
Eine Oscar-reife Vorstellung.
Nach diesem taktischen Manöver wechselte ich elegant das Thema – irgendwo zwischen Luftfeuchtigkeit, Gläser-Set und „Haha, das Glattzentrum ist wirklich ein Dorf!“ … und hoffte, er würde irgendwann etwas sagen wie:
„Ja ich, Lukas, war ja damals oft hier.“
Tat er nicht.
Natürlich nicht.
Das Universum hat Humor.
Nach einer gefühlten Ewigkeit – wahrscheinlich waren es zwei Minuten – verabschiedete er sich mit einem strahlenden Lächeln und Worten, die mein Herz kurz aussetzten ließen: „Schön, dich mal wieder zu sehen. Lass uns mal wieder schreiben.“
Schreiben.
Ja.
Wenn ich nur wüsste, welchen Namen ich in WhatsApp suchen muss.
Und als ich wieder alleine zwischen den Gläsern stand, dachte ich:
Wenn das Leben schon keine Liebesromane schreibt, dann wenigstens gute Comedy.
Und vielleicht, nur vielleicht, hätte ich mir damals beim Sommerflirt eher den Namen als den Kuss merken sollen. Aber gut – inzwischen bin ich vergeben, also bleibt mir dieser Lernmoment zum Glück erspart.
Aber hey – ich bin Glenn.
Und manchmal bin ich im echten Leben eben doch mehr Carrie Bradshaw, als mir lieb ist.
Hinterlasse einen Kommentar