Ich traf eine alte Freundin auf einen Kaffee. Zwanzig Jahre Freundschaft, unzählige Geschichten, viel geteiltes Leben. Sie kam strahlend – und brachte ihren neuen Freund mit.
Und da sass er.
Ein Mann aus meiner Vergangenheit. Kein grosses Drama, kein epischer Herzschmerz. Aber genug Geschichte, um zu wissen, wie er küsst.
Zürich ist manchmal erschreckend klein.
Während sie von ihrem Glück erzählte, sass ich dazwischen: zwischen Cappuccino-Schaum und Erinnerung. Ich fragte mich kurz, ob Ehrlichkeit in diesem Moment wirklich Mut wäre – oder einfach unnötiges Chaos.
Denn was würde es ändern?
Es war vor ihr. Es war vorbei. Es war ein Kapitel, kein Roman.
Und vielleicht ist Erwachsensein genau das: zu merken, dass nicht jede Wahrheit ausgesprochen werden muss, nur weil sie existiert. Loyalität bedeutet manchmal auch, eine Geschichte nicht neu zu beleben, nur um sie korrekt einzuordnen.
Ich ging nach Hause mit einer seltsam ruhigen Erkenntnis:
Es tat nicht weh. Es war nicht eifersüchtig. Es war einfach… Vergangenheit.
Manche Menschen sind ein Zwischenstopp.
Manche sind ein Zuhause.
Und manchmal sitzt man einfach da, trinkt seinen Kaffee –
und entscheidet sich bewusst für die Freundschaft.
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