Heute Morgen begegnete ich meinem Nachbarn. Er ist um die 80, immer freundlich, immer ein bisschen neugierig und offenbar genauso früh unterwegs wie ich.
Er schaute mich an und fragte:
„Schon so früh aus dem Haus?“
Ich lächelte und sagte:
„Ja, ich gehe an die Zürich Pride.“
Er nickte kurz, musterte mich von oben bis unten und meinte dann ganz trocken:
„Aha, verstehe. Und wo sind die Regenbogen?“
Ich musste lachen. Denn manchmal erwarten Menschen bei Pride sofort ein komplettes Feuerwerk aus Farben, Federn und Glitzer. Dabei erklärte ich ihm:
„Wissen Sie, ich trage ganz viele Regenbogen im Herzen. Man muss sie nicht immer direkt an der Kleidung sehen.“
Dann blieb sein Blick plötzlich an meinen Schuhen hängen. Meine Glitzer-Sneakers. Natürlich. Ganz unauffällig waren sie dann doch nicht.
„Ah, aber da glitzert ja etwas“, sagte er.
Ich grinste und sagte:
„Die trage ich immer an Pride. Die Farben erinnern an die Trans-Flagge. Als Trans Ally gehören sie für mich dazu, weil ich meine Freunde unterstütze.“
Er schaute kurz nachdenklich, dann lächelte er und sagte:
„Ach, schon wieder etwas Neues gelernt.“
Und genau das war irgendwie schön. Kein großes Drama, keine Diskussion, kein komischer Kommentar. Einfach ein kleiner Moment zwischen zwei Menschen, eine Frage, eine Antwort und ein bisschen mehr Verständnis.
Zum Abschied wünschte er mir ein schönes Wochenende.
Und vielleicht ist genau das Pride auch: nicht immer laut, nicht immer sichtbar, nicht immer perfekt erklärt.
Manchmal ist Pride einfach ein Regenbogen im Herzen, ein Paar Glitzer-Sneakers an den Füßen und ein Mensch, der bereit ist, etwas Neues zu lernen.
Happy Pride 🫶🏻🏳️🌈🏳️⚧️
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