Neulich habe ich wieder so einen Satz gelesen, bei dem ich dachte: Aha. Da sind wir also immer noch.
„Der sieht doch aus wie ein Top.“
Und ich sass da mit meinem Kaffee und fragte mich: Seit wann haben Schultern eigentlich eine sexuelle Orientierung?
Seit wann entscheidet ein Bart über Intimität? Und seit wann ist eine Stimme ein Beipackzettel für Vorlieben?
Wir tun oft so, als wären wir als Community so frei. So offen. So unlabelbar. Und dann brauchen wir manchmal keine drei Sekunden, um jemanden wieder in eine kleine Schublade zu schieben.
Zu gross. Zu fem. Zu haarig. Zu dünn. Zu laut. Zu weich. Zu maskulin, um sensibel zu sein. Zu sensibel, um dominant zu sein.
Vielleicht ist das unsere eigene kleine Gay-FOMO: die Angst, den perfekten Typen zu verpassen, weil wir ständig suchen, vergleichen, filtern. Während wir dabei manchmal vergessen, den Menschen vor uns überhaupt kennenzulernen.
Ich glaube, wir verpassen nicht immer die grosse Party, das bessere Date oder den heisseren Typen.
Manchmal verpassen wir einfach den Moment, in dem jemand uns ehrlich zeigen wollte, wer er ist.
Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Menschen sind keine Profile.
Keine Rollen.
Keine Körperteile.
Keine Fantasie, die wir ihnen überstülpen.
Sie sind Geschichten.
Und die spannendsten davon beginnen meistens erst dann, wenn wir aufhören, schon vorher das Ende zu schreiben.
Xo Glenn
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